Willkommen auf der Internetseite von Prof. Dorothee Dubrau



Lesen macht vielseitig, verhandeln geistesgegenwärtig, schreiben genau.


Francis Bacon 1561 - 1626

Berlin, den 1.1.2009

Wieder ist ein Jahr vergangen, nunmehr das Zweite meiner Selbstständigkeit. Das Leben hat sich ein wenig geordnet, ist aber nicht weniger interessant und aufregend. Selten hatte ich bisher so vieles parallel getan. Mein Büro hat sich stabilisiert und ich konnte diverse kleinere und größere Aufträge erledigen. Zunehmend spielen hierbei fachliche Kenntnisse eine Rolle und nicht mehr politische Beziehungen.

Hauptaugenmerke meiner Tätigkeit im letzen Jahr lagen in der Lehre, in den Publikationen und der Vorbereitung und Betreuung diverser Fachveranstaltungen. Seit 2005 bin ich als Dozentin im Fachbereich Stadt- und Regionalplanung an der TU Darmstadt tätig. Dort konnte ich gemeinsam die Studenten bei diversen Projekten betreuen. Mal lag der Schwerpunkt auf der Konversion ehemaliger Militärflächen, mal beim Mauerstreifen, mal in der Aufwertung von brachgefallenen denkmalsgeschützten Industriegeländen in Quartieren mit besonderem Entwicklungsbedarf. Hierbei ging es immer um den Umgang mit der Stadt, die Qualifizierung der Freiflächen und die Integration ganz unterschiedlicher Menschen. Ich denke, dass in diesen Bereichen neben einer neuen energieeffizienten Bauweise die Themen der Zukunft liegen. Dies gilt es auch mit den Studenten zu diskutieren. Im April 2008 habe ich meine Lehrtätigkeit erweitert. Meine Gastprofessur an der TFH Berlin gibt mir die Chance, ganz unterschiedliche Lehrmodelle zu studieren und miteinander zu verknüpfen.

Daneben hat das Schreiben von Fachpublikationen einen wichtigen Platz eingenommen. Dabei musste ich feststellen, dass die Arbeit hieran sehr viel aufwendiger ist, als ursprünglich gedacht. Bis zum Sommer 2008 lief die Mitarbeit an dem Lehrbuch „Stadtplanung – eine illustrierte Einführung“ von Prof. Gerd Albers und Prof. Julian Wékel, erschienen im Primusverlag. Die Erarbeitung eines vernünftigen Bildkonzepts und die Zusammenstellung von prägnanten aktuellen Beispielen aus ganz Deutschland zu den verschiedensten Themen nahm einen großen Teil meiner Zeit ein. Aber auch bei dieser Arbeit habe ich viel gelernt, denn der unterschiedliche Umgang der Städte und Gemeinden mit vergleichbaren Themen war ein guter Ansatz zu weiterer Forschung und Lehre und brachte Anregungen für meine selbstständige Tätigkeit.

Auch der schon in im letzten Jahr angekündigte Fotoband von Gisela Stappenbeck über das „Bauen in Ostberlin 1959 – 1989“, für den ich den einleitenden Text verfasst habe, ist inzwischen im Verlag Dom publishers erschienen. Wenn man die heutige Entwicklung der zentralen Orte in Ostberlin verstehen will, ist es sinnvoll nicht nur die Zeit des Barock, des Klassizismus und der Gründerzeit zu betrachten. Die DDR Entwicklung ist ebenso wichtig, auch sie bildet ein Stück Geschichte dieser Stadt. Gleichzeitig bietet das Buch Gelegenheit, den Umgang der DDR mit den Themen Abbruch, Stadtumbau und kritische Rekonstruktion zu reflektieren.

Im letzten Jahr konnte ich ebenfalls mein Buch über das Bauen in Mitte seit 1990 abschließen. Inzwischen ist das Material so umfänglich geworden, dass es zwei Bände umfasst. Dank der Mithilfe vieler Architekturbüros, Behördenmitarbeiter und Fotografen ist es gelungen ein umfassendes Werk über die knapp 20jährige Entwicklung im Zentrum Berlins zusammenzustellen. Aber nicht nur die systematische Darstellung fast aller Neu- und Umbauprojekte war mein Ziel. Durch eine Vielzahl von Exkursen wird die Mitte Berlins aus ganz unterschiedlichen Blickwinken betrachtet. Ergänzende Aufnahmen aus unterschiedlichen Jahrzehnten und Milieus sollen ein Stück weit Geschichte und Atmosphäre vermitteln. Ich hoffe, dass im Frühjahr die letzten technischen Arbeiten des Verlages abgeschlossen werden.. Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen, die zum Gelingen dieses Buches beigetragen haben und bin gespannt auf Ihre Reaktion.

Das letzte Jahr hat auch für meine Kinder große Veränderungen gebracht. Christian, der Älteste hat sich als Architekt in die Selbstständigkeit begeben. Unter anderem gehört der Umbau einer denkmalsgeschützten Turnhalle in Jelenia Gora (Polen) zu seinen ersten eigenen Projekten. Seine Liebe zur chinesischen Architektur, die er schon in seinem Diplom darstellen konnte, hat er in seinem Buch „Sinotecture. Neue Architektur in China“ zum Ausdruck gebracht. Wie sieht sie aus, die neuere chinesische Architektur, also die von chinesischen Architekten geschaffen Bauwerke? In seiner Rezension stellt Nikolaus Bernau dar: “Dubrau´s zwar begeisterter, aber auch erfreulich kritischer Text lässt keinen Zweifel daran, dass sich China in einer schweren kulturellen Krise befindet zwischen der verzweifelten Suche nach Anerkennung, dem Wunsch, 4000 Jahre Tradition als Kulturnation weiterzuführen und den Zwängen der Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung sowie der nicht mehr nur dräuenden, sondern ganz akuten ökologischen Bedrohung.“ Aber es gibt sie die neuen Entwürfe und Bauten - auch wenn sie bisher noch eine Architektur der Nische sind.

Philipp steht nach knapp fünf Jahren Studium kurz vor seinem Diplom als Ingenieur für Technische Informatik. Ich wünsche ihm, dass er im neuen Jahr der Abschluss erreicht und eine spannende Arbeit findet. Anton ist noch immer in Montreal (Kanada). Er hat die erste Etappe seiner Ausbildung geschafft. Im Dezember konnte er sein Bachelor of Science abschließen und hat jetzt mit dem Master begonnen. Der Sommer gab uns Zeit für eine gemeinsame Reise nach Vietnam. Hier haben wir ein Land des Aufbruchs kennen gelernt, das versucht das schwere Erbe des Krieges zu vergessen und mit seinen Schätzen wirbt. Sandra, die Jüngste wohnt seit nunmehr acht Monaten in einer Wohngemeinschaft in Kreuzberg und genießt ihre Selbstständigkeit. Im Sommer konnte sie ihre Ausbildung als Beiköchin beenden. Sie arbeitet zurzeit bei dem Freien Träger Mosaik. Wir hoffen, dass es ihr gelingen kann, in diesem Jahr eine feste Stelle zu bekommen.

So ist ein für uns alle ereignisreiches Jahr vergangen. Ich möchte mich bedanken für die gute Zusammenarbeit der letzten Jahre und freue mich auf weitere gemeinsame Projekte und Erlebnisse.

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für das Neue Jahr

Dorothee Dubrau