Willkommen auf der Internetseite von Prof. Dorothee Dubrau



Die Zukunft kann man am besten voraussagen, indem man sie selbst gestaltet.

Alan Kay

Berlin, den 1.1.2010

Das diesjährige Neujahrsfoto zeigt die gerade sanierte East Side Galerie. Es ist die Erinnerung an "alte Zeiten". Dasselbe Foto ist schon einmal 1990 entstanden - kurz nach der Maueröffnung, als der Trabbi noch das Symbol für den Freiheitswillen der Ostsdeutschen war.

Zwanzig Jahre ist es her, dass im Zuge der friedlichen Revolution der DDR Bürger die Mauer eingerissen wurde. Der anfänglichen Euphorie folgte eine Phase der Ernüchterung. Den tatsächliche geschaffenen "blühenden Landschaften" stehen Brachen und Arbeitslosigkeit in ganz Deutschland gegenüber. Das Zusammenwachsen passiert doch nicht so einfach, wie ursprünglich gedacht, sondern bedeutet viel Arbeit und den Willen aufeinander zuzugehen und einander zu vertrauen. Noch immer überwiegt bei vielen Menschen das Trennende belegt eine Forsastudie. Nur 31 Prozent der Bundesbürger sagen, dass die Menschen in Ost und West heute zu einem Volk zusammengewachsen sind.

Noch immer sind nicht alle Mauern eingerissen. Es sollte unser aller Anstrengung sein, insbesondere die Chancengleichheit aller Menschen durchzusetzen. Das betrifft nicht nur "Ost und West" sondern auch "Mann und Frau" und "Jung und Alt".

Auch wir haben uns im letzten Jahr mit dem Thema Mauer beschäftigt. An der TU Darmstadt haben die Studierenden interessante städtebauliche Arbeiten zum Zusammenwachsen der Luisenstadt, die in Teilen von Mitte und Kreuzberg liegt, vorgelegt. In der Beuth Hochschule ist das Ost-West-Thema auch nach 20 Jahren sehr präsent, obwohl viele der Studenten zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung kaum geboren waren. Schon wenn sie sich in der ersten Stunde vorstellen, betonen sie eindeutig ihre Herkunft: "Ich bin aus Neukölln" und "Ich komme aus Marzahn". Und da geht es nicht nur um die Zugehörigkeit zu einem Kiez. Die gemeinsame Arbeit an überörtlichen Problemen und an unserer aller Zukunft kann sie zusammenführenů

Aber ich wollte über das letzte Jahr und unsere neuen Pläne berichten. Ein für uns wichtiges Erlebnis war die lang angekündigte Fertigstellung des Architekturführers Berlin Mitte. Aus den ursprünglich geplanten 300 Seiten sind 1300 geworden, komplettiert mit 60 Essays und 2500 Fotos. Am 16.12. fand die offizielle Vorstellung statt und über 350 architekturinteressierte Gäste drängten sich in Clärchens Ballhaus um die gewichtigen Exemplare zu beschauen und nach Haus zu tragen. Das große Interesse der Öffentlichkeit, die sich auch in diversen Zeitungsartikeln und Leserbriefen dokumentierte, war für mich eine große Freude und auch Anerkennung für die jahrelange Arbeit im Zentrum Berlins.

Parallel zur Lehre habe ich meine selbstständige Tätigkeit weiter ausgebaut. Ähnlich wie beim Architekturführer hat sich auch hier die Zusammenarbeit mit meinen Söhnen bewährt. Die Aufgabenstellung dabei ist vielfältig. Beratung und Entwurf trifft die gesamte Bandbreite der Planung von einzelnen Bauprojekten in Altmitte und Quartiersproblemen im Wedding bis hin zur Gestaltung des öffentlichen Raumes, wie zum Beispiel bei der Gestaltung des Weihnachtsmarktes Gendarmenmarkt.

Unsere interessanteste stadtplanerische Aufgabe ist derzeit die Erstellung eines Masterplanes für die ehemalige Tiermedizin der Humboldt Universität zu Berlin, die wir gemeinsam mit Dagmar Gast vom Büro Gast.Leyser LandschaftsArchitekten bearbeiten. Hier kann jeder seine speziellen Qualitäten einbringen und zu einem gemeinsamen Konzept zusammenfließen lassen.

Das letzte Jahr hat auch für meine Kinder neue Erlebnisse und Veränderungen gebracht. Christian hat seine Selbstständigkeit als Architekt ausgebaut und mehrere Neubauten und Sanierungen geplant. Sie reichen vom Umbau einer ehemaligen Sporthalle aus den 1920er Jahren in ein Wohnhaus in Jelenia Gora (Polen), über eine Erweiterung eines Hotels bis zur Planung eines kleinen Bürogebäudes. Der Neubau einer Kindertagesstätte bei Luckenwalde (sein erstes Projekt als freischaffender Architekt) wird demnächst eröffnet. Nun realisiert er u.a. den Umbau von zwei Kindertagesstätten in Berlin. Parallel arbeitet er an seinem nächsten Buch über chinesische Architektur.

Philipp hat im Frühjahr sein Studium mit dem Diplom im Fachgebiet Technische Informatik abgeschlossen. Derzeit ist er voll in unsere architektonische und stadtplanerische Tätigkeit involviert und übernimmt den technischen und fotografischen Part.

Nach der Abgabe seiner Diplomarbeit gab es einen Freiraum für uns zum Kennenlernen einer neuen Region. Diesmal stand eine Reise nach Nepal auf der Tagesordnung. Während ich nach der Fahrt mit Anton durch Vietnam vom beeindruckenden Aufbruch des Landes berichten konnte, haben wir hier eher das Gegenteil erlebt. Nach dem langjährigen Bürgerkrieg hat die neue maoistische Führung das Land in den Abgrund gefahren - Keine Wasserversorgung, maximal 5 Stunden Strom am Tag, der Niedergang von Landwirtschaft und Industrie. Dazu kommen die rasanten Auswirkungen der Klimaveränderungen, die ich bisher in keinem Land in der Intensität beobachten konnte. Seit 5 Jahren hatte es nicht geregnet, die Flüsse sind ausgetrocknet und der Himalaja ist im Dunst einer riesigen Staubwolke verschwunden. Solche Erlebnisse müssen uns wachrütteln und endlich die Erkenntnis bringen, dass wir unsere Erde nur mit größter Anstrengung für unsere Kinder und Enkel retten können.

Anton studiert in Montreal und steigt immer tiefer der Wissenschaften ein. Sandra hat inzwischen in mehreren Gaststätten gearbeitet und viel gelernt. Jetzt hat sie erstmals eine richtige Arbeitsstelle im "Amici" am Gendarmenmarkt. Hoffen wir, dass sie mit unser aller Unterstützung den Anforderungen des ersten Arbeitsmarktes gerecht werden kann. Auch persönlich hat sich ihr Leben berändert. Im November ist sie in ihre erste eigene betreute Wohnung im Heinrich Heine Viertel gezogen. Gemeinsam mit ihrer Hündin Leila ist sie glücklich über die eigenen vier Wände und genießt die Selbstständigkeit.

Ich möchte mich bedanken für die gute Zusammenarbeit der letzten Jahre und freue mich auf weitere gemeinsame Projekte und Erlebnisse in der Zukunft.

Mit den besten Wünschen für das Jahr 2010


Dorothee Dubrau